Warum nicht Praktika bereits für die Siebtkläßler?

Vorgaben des Lehrplans in Heimbuchenthal und Dammbach mustergültig umgesetzt -
Auch der Computer ein Mittelpunkt

Kreis Aschaffenburg. Seitdem kürzlich zu Ende gegangenen Schuljahr gilt für die fünften und siebten Klassen an den Hauptschulen ein neuer Lehrplan. Vorbildlich umgesetzt ist er bereits in Heimbuchenthal. Berufsorientierung und Berufswahlvorbereitung sind noch stärker als bisher gefordert

  

DIE HERANWACHSENDEN lernen mit Tastatur und Maus umzugehen. Dabei nutzt die Lehrerin Isabella Zang die Motuvationskraft des PC aus, um Lernziele zu erreichen

Im nächsten Jahr wird auch für die sechsten und achten Klassen ein neuer Lehrplan gelten, für die neunten Klassen wird er ein Jahr später eingeführt. Wichtigste Neuerungen sind die Stärkung der Arbeitslehre und auch das fächerübergreifende Arbeiten. In allen Fächern aber begegnen die Schüler immer wieder dem Computer.

PRAKTIKUM beim Bäcker: Schon Siebtkläßler lernen in Heimbuchenthal zuzupacken.                     Fotos: P. Ehser

Die Heimbuchenthaler Volksschule Elsavatal legt man großen Wert darauf, daß die Schüler gezielt lernen, den Computer und seine Möglichkeiten sinnvoll in allen Fächern einzusetzen. Damit wird nicht nur das Schuldasein erleichtert; die Schüler werden - gemäß dem ministeriellen Auftrag - auch gleich wieder auf die Berufswelt vorbereitet. Gibt es doch keine Sparte mehr, in der die elektronischen Rechner nicht eingesetzt werden.

In der informationstechnischen Grundbildung (ITG) lernen die Heranwachsenden, mit Tastatur, Maus und Maschine umzugehen. Dabei nutzen ihre Lehrer aber auch ganz bewußt die Motivationskraft des PC aus, um die Lernziele zu erreichen. 

Computerspiele während des Unterrichts? Warum nicht, wenn dadurch der Gebrauch der Maus geübt wird. Und warum Vokabeln nicht spielerisch mit technischer Hilfe lernen? Daß Maschineschreiben am Bildschirm gelernt wird, versteht sich eigentlich von selbst. An der Heimbuchenthaler Schule geht man aber noch einen Schritt weiter: Durch eine größere Investition wurde im vergangenen Jahr der Computerraum auf 16 Arbeitsplätze erweitert und auch die Arbeitsbedingungen durch körpergerechte Möbel verbessert. E-Mail und Internet werden mittlerweile ganz selbstverständlich angewandt.

Das Unterrichtsprinzip »Projektarbeit« drängt den Lehrer immer mehr in die Rolle eines Moderators. Es fordert und fördert damit aber auch bei den Schülern eine eigenverantwortliche und selbstbestimmte Teamarbeit. Durch fächerübergreifende Projekte setzen sich die Jugendlichen in allen Fächern .mit dem gleichen Thema auseinander, eine Verknüpfung von Wissen entsteht, wie sie in dem früher betriebenen abgetrennten Lernen nicht so hat stattfinden können.

Auf dem Weg, ein eigenständiges Profil für die Schule zu finden, kam jetzt ein neues Pilotprojekt zustande. Bis vor kurzem waren es in der achten Klasse zwei Wochen am Stück, in denen jeder Schüler in einen Betrieb seiner Wahl reinschnuppern konnte. Mittlerweile sind diese zwei Wochen aufgesplittet, und es sollen zwei verschiedene Betriebe besucht werden. In Heimbuchenthal können auch schon Siebtkläßler Praktika machen.

In Zweiergruppen besuchten die Heimbuchenthaler Schüler an sechs aufeinanderfolgenden Freitagen Bäcker, Metzger, Schlosser, Gaststätte, Elektriker und Kindergarten. Für die Dammbacher waren dagegen Kfz-Bauer, Lebensmittelmarkt und ebenfalls Bäcker, Metzger, Gaststätte und Kindergarten angesagt. Ziel war, daß Mädchen und Jungen in Dienstleistung, Handwerk und auch Handel eingesetzt werden. Dabei lernen die Schüler die schönen und die nicht so angenehmen Aspekte einer Arbeit kennen.

Der Kfz-Mechaniker kann halt nicht nur an einer Schraube drehen, damit alles wieder läuft. Ölwechsel muß auch mal sein. Und im Kindergarten hören nicht nur 25 saubere, gesittete Kinder mit staunend offenen Mündern den Erzählungen der Betreuerin, sondern toben auch mal mit einer Lautstärke durch den Gruppenraum, daß zarter besaitete Personen durchaus mit Kopfweh reagieren können. »Das habe ich mir nicht so vorgestellt, das fiel mir schwer«, stand darum auf manchem Bewertungsbogen, den jeder Schüler nach einem Tag Praktikum ausfüllen mußte.

Gut bis sehr gut lauten die Beurteilungen von Beschäftigungsbetrieben, Schülern und auch deren Eltern, die die Initiatorin des Versuchs, Isabella Zang, bisher zurückbekommen hat. Ihre Schüler haben durch das Projekt zwar kein gezieltes Berufsbild für sich gefunden. Sie konnten aber lernen, Rahmenbedingungen zu stecken, die »ihr« Beruf später einmal haben soll. Ob sie im Freien, mit Menschen oder Maschinen arbeiten wollen.

Und sie haben gelernt, daß jeder Beruf nicht nur die Aspekte hat, die geläufig sind oder vermeintlich typisch. Oftmals, das wissen sie jetzt, ist das Umfeld einer Tätigkeit mindestens genauso wichtig wie die Tätigkeit selbst.