Antwortschreiben des Herrn Bürgermeister Stenger vom 29.06.2004 


MAIN-ECHO vom 10.06.2004

Auf Testfahrt mit dem Rollstuhl
Heimbuchenthal. Mit einem Rollstuhl war die fünfte Klasse der Volksschule unterwegs gewesen. Die Schüler stellten fest, dass zum Beispiel die öffentliche Toilette am Lehrbienenstand für Rollstuhlfahrer nicht benutzbar ist. Bürgermeister Rüdiger Stenger erklärte in der Sitzung des Gemeinderats, dass dem kaum abgeholfen werden könne. Der vorhandene Platz sei zu eng. Trotzdem gebe es eine Verbesserung: Die öffentliche Toilette am Musikpavillon sei rollstuhlgerecht ausgestattet und demnächst benutzbar. Verbesserungen wären auch bei so manchem Geschäft noch möglich, monierten die Schüler, während die beiden Kirchen und das Pfarrzentrum mit dem Rollstuhl gut zu erreichen sind. kla

Mit dem Rollstuhl in Heimbuchenthal unterwegs

Am Dienstag, dem 27. April 2004, haben wir, die Klasse 5b, einmal getestet, wie das so ist, wenn man in Heimbuchenthal mit dem Rollstuhl unterwegs sein muss.

Zunächst haben wir im Grundschulpausehof geübt. Da gab es schon die ersten Probleme beim Abwärtsfahren, weil es schnell zu schnell wird und man mit dem Bremsen kaum nachkommen kann. Mit Helfern ging es schon besser. Also machten wir uns auf den Weg.

Gerade die Straßen um unsere Schule am Berghang herum sind schwierig für Rollstuhlfahrer, aber wir wechselten uns mit Schieben und Sitzen ab und kamen sicher ins Dorf hinunter.

An manchen Stellen ist der Fußgängerweg sehr schmal, eigentlich zu schmal für den Rollstuhl.

Dann wollten wir mal ausprobieren, wie das mit dem Einkaufen ist. Nadja durfte in den Rollstuhl, Annika musste schieben. Herr Frankl gab den beiden Geld für eine Kleinigkeit. Vor dem Eingang des Supermarkts war eine Stufe zu überwinden und Herr Frankl musste kurz mit anfassen. Auch die Türe öffnete nicht von alleine, Annika musste sie aufhalten. Im Geschäft ging es dann leichter, doch die Gänge waren sehr schmal und es war mühsam, an die Regale so heranzufahren, dass man etwas herausnehmen konnte. Die Verkäuferin hat ganz verwirrt geschaut, so dass Annika meinte, sie über unseren Test aufklären zu müssen.

Wir sind dann weiter an den alten Bahnhof gelaufen, weil von da aus der Wiesenweg losgeht und Tagesurlauber wahrscheinlich wegen der guten Parkmöglichkeiten auch von da aus starten. An manchen Stellen sind große Schlaglöcher im Weg und der Belag ist sehr holprig. Die Kopfsteinpflasterstrecken rütteln den Rollstuhlfahrer oder die Rollstuhlfahrerin ganz schön durch!

An der neuen Kirche haben wir ausführlich die Rollstuhl-Rampe ausprobiert. Runter geht es prima. Aber hinauf geht es um Einiges schwerer, zumindest für uns ungeübte Anfänger.

Am Wiesenweg gibt es auch eine öffentliche Toilette. Einer von uns hat so getan, als ob er alleine mit dem Rollstuhl unterwegs wäre und er müsste mal aufs Klo.

Alleine war es unmöglich und selbst mit Sebastians Hilfe waren die beiden hohen Stufen nur unter goßen Anstrengungen zu schaffen.

Und wenn man es tatsächlich hoch geschafft hat, dann sind die Kabinen zu eng und drinnen sind keine Griffe zum Festhalten. Also keinesfalls behindertengerecht! Sicher sind gerade um den Kurparksee herum öfter mal ältere Leute im Rollstuhl unterwegs! Da müssen wir der Gemeinde wohl einen Brief schreiben!

Hoch zum Planweg war es ganz schön steil, oben geht es eigentlich gut, weil sich der Weg eben hinzieht und der Teerbelag schön glatt ist.

Für uns gesunde Kinder war es ein komisches Gefühl, aber wir waren alle froh, dass wir es einmal ausprobieren durften. So können wir uns jetzt in die Lage eines Rollstuhlfahrers hinein versetzen und müssen feststellen: Heimbuchenthal ist nicht gut auf Rollstuhlfahrer vorbereitet!