Fritzi führt Familien
Heimbuchenthaler Schüler formten einen Kulturweg
Im Wald spielen, wenn im Kinderzimmer Freund Computer wartet? Klar, sagen die Mädchen und Jungen der Volksschule Heimbuchenthal. Ihre Schule beteiligt sich seit 2002 am europäischen Bildungsprojekt Comenius - und auf diese Weise haben Heimbuchenthaler Schüler mitgeholfen, einen eigenen Kulturweg für das Spessartprojekt zu gestalten: Interessant für Familienwanderungen - und vielleicht eine Anregung für andere Schulen.
»Zwischen Himmel und Hölle« ist der bislang einzige Kulturweg im Spessart, der in Zusammenarbeit mit dem Comenius-Projekt »Hi Kids - Tourismus am Heimatort« entstand und von Kindern für Kinder - mit Hilfe von Lehrerin Isabella Zang und Schulleiter Reinhard Frankl - zusammengestellt wurde. Dass dieser insgesamt 13 Kilometer lange Kulturweg etwas ganz Besonderes im Rahmen des Spessartprojekts ist, zeigt sich in der Farbe des Führers: Er ist im Gegensatz zu den üblichen blauen Foldern grün und richtet sich vor allem an Familien. Denn »in Heimbuchenthal kann man sehr gut Urlaub machen und auch wohnen«, war für die Schüler wichtig darzustellen: »Besonders für Kinder gibt es viel zu sehen und zu erkunden« - wobei das Maskottchen Fritzi, der Frischling, den Weg rund um Heimbuchenthal weist.
Natürlich gibt es auch verregnete Tage, an denen es keinen Spaß macht, auf die Bocciabahn am Buchrain zu gehen oder am Kapellenberg Drachen steigen zu lassen. Deshalb ist der faltbare Führer nicht nur informativ zu Natur und Geschichte des Dorfs - er ist gleichzeitig Unterlage für ein Würfelspiel, in dem so ganz nebenbei die Besonderheiten von Heimbuchenthal vorgestellt werden.
Denn die Jungen und Mädchen aus Heimbuchenthal sind stolz auf ihr Dorf, das so einiges hat, was andere nicht haben: zum Beispiel ein eigenes Fahrradmuseum, eigene Sagen und mit »Krummbännschnetz« sogar ein richtiges »Hemschedähler« - wie ein Heimbuchenthal im Dialekt heißt - Rezept. Und wem das alles noch zu wenig ist: Auf der Homepage der Schule im Internet haben die Kinder noch viel mehr Wissenswertes in lustiger Form oder als Quiz zusammengetragen. Fritzi führt Neugierige dabei über die Pfade des weltweiten Netzes.
Zu verdanken ist soviel Wissen über Heimbuchenthal Comenius, der Europäischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Schulbildung: Dabei sollen Schüler die Vielfalt der Kultur, in der sie leben, erleben und selbst gestalten. Die Volksschule Heimbuchenthal ist eine von fünf Schulen in Europa, die dabei das Thema »Tourismus am Heimatort« untersuchte.
Stefan Reis
Ach ja: »Krummbännschnetz« ist ein Essen, zu dem sich früher die ganze Familie zusammensetze - so wie es Mathilde Breitenbach aus Partenstein mit »Gåmundierte« beschreibt ( siehe Leser-Tipp ). Krummbirne sind Kartoffeln und Krummbännschnetz ist also Kartoffelgeschnetzeltes: Dazu schneidet man fünf bis sechs Kartoffeln in Würfel und kocht sie mit einer Stange Lauch und gewürfeltem Sellerie gar. Das Ganze wird dann mit Salz abgeschmeckt und mit angebräuntem Speck übergossen. Früher kam das Essen in einem großen Topf oder in einer Pfanne auf den Tisch und Eltern und Kinder bedienten sich - ohne Teller - direkt daraus mit dem Löffel. Und hatten dabei Zeit, sich gemeinsam zu unterhalten.